Schmerztherapie mit Tramadol: Risiko für Hüftfrakturen womöglich erhöht

Journal of Bone and Mineral Research

von Dr. med. Thomas Kron Studien – kurz & knapp 18.02.2020

Alte Menschen mit nicht-krebsbedingten Schmerzen, bei denen eine Therapie mit Tramadol begonnen wird, haben einer aktuellen Studie zufolge möglicherweise ein höheres Risiko für Hüftfrakturen als Patienten, die andere Schmerzmitteln erhalten. In der Therapie bei chronischen Schmerzen sollte Tramadol vielleicht einen geringeren Stellenwert erhalten als bisher.

Hintergrund

Für die Schmerztherapie bei Patienten mit chronischen nicht-krebsbedingten Schmerzen wird teilweise Tramadol empfohlen. Die Verschreibung des opioiden Analgetikums hat weltweit rapide zugenommen. Das Sicherheitsprofil von Tramadol,  etwa das Risiko einer Fraktur, ist den Autoren nach jedoch unklar. Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang von Tramadol mit dem Risiko einer Hüftfraktur zu untersuchen.

Design

Die Autoren werteten Daten der britischen Datenbank „The Health Improvement Network“ aus den Jahren 2000 bis 2017 aus. Berücksichtigt wurden mindestens 50 Jahre alte Personen (Durchschnittsalter knapp 66 Jahre) mit nicht-krebsbedingten Schmerzen ohne Hüftfraktur, Krebserkrankung oder Opioid-Missbrauch in der Vorgeschichte. 56,9 Prozent der Patienten waren Frauen. Verglichen wurde Tramadol (bei jeweils identischer Patientenzahl; propensity score matched) mit Codein (n = 146.956), Naproxen (n = 115.109), Ibuprofen (n = 107.438), Celecoxib (n = 43130) und Etoricoxib (n = 27.689).

Hauptergebnisse 

Innerhalb von einem Jahr traten in der Tramadol-Gruppe 518 Hüftfrakturen auf, in der Codein-Gruppe 401. Auf 1000 Personenjahre bezogen ergab das 3,7 Hüftfrakturen in der Tramadol- und 2,9 Hüftfrakturen in der Codein-Gruppe. Die Berechnungen ergaben eine HR (hazard ratio) von 1,28 (95% CI 1,13 - 1,46). 

Tramadol schnitt auch im Vergleich zu den anderen Analgetika schlechter ab. So ergaben die Berechnungen auch beim Vergleich mit Naproxen eine signifikant höhere Frakturrate in der Tramadol-Gruppe (2,9 versus 1,7 pro 1000 Personenjahre; HR 1,69, 95% CI 1,41 - 2,03). Dies galt auch für den Vergleich mit

           Ibuprofen (3,4/1000 versus  2,0/1000 Personenjahre; HR 1,65, 95% CI 1,39 - 1,96), 

           Celecoxib (3,4/1000 versus 1,8/1000; HR 1,85, 95% CI 1,40 - 2,44) und 

           Etoricoxib (2,9/1000 versus 1,5/1000; HR 1,96, 95% CI 1,34 - 2,87).

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen, wonach die Therapie mit Opioid-Schmerzmitteln mit einem erhöhten Risiko für Stürze und Frakturen einhergehen kann. Besonders gefährdet sind alte Menschen. Wahrscheinlicher Grund für die erhöhte Frakturrate unter Tramadol ist nach Angaben der Autoren eine größere Sturzrate, was wiederum eine Folge von Nebenwirkungen wie Krampfanfällen und Schwindel sein kann. Obgleich es sich nur um eine Kohortenstudie mit eingeschränkter Aussagekraft handelt, sprechen die Daten nach Angaben der Autoren dafür, bei alten Menschen mit Schmerzen andere Analgetika als Tramadol zu verwenden.

 

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