Multiple Sklerose: Akupunktur lindert Fatigue Syndrom

Freitag, 5. Mai 2017

Berlin – Rund 97 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose (MS) leiden unter chronischer Erschöpfung. Akupunktur, die zusätzlich zur Normalversorgung durchgeführt wird, soll die Fatigue lindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte nicht verblindete Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Exzellenzclusters Neurocure, die heute erstmals auf dem World Congress Integrative Medicine in Berlin vorgestellt wurde.

Zu Beginn der Behandlung lag der durchschnittliche Wert auf der Fatigue Severity Skala (FSS) bei 5,7 ± 0,8. Bei gesunden Probanden liegen die Werte hingegen niedriger, bei etwa 3,00 ± 1,08. Nach zwölf Wochen Akupunktur wurde ein FSS-Wert von 4,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 4,4 bis 5,1) gemessen, in der Kontrollgruppe mit der herkömmlichen Behandlung lag der Wert bei 5,3 (5,0 bis 5,7; p = 0.009). Der Vorher-Nachher-Vergleich könne in der Akupunkturgruppe auch als klinisch relevanter Unterschied von 0,9 FSS-Punkten interpretiert werden, teilt Claudia Witt, eine der beteiligten Forscherinnen, dem Deutschen Ärzteblatt mit.

In der Interventionsgruppe führten Ärzte eine semi-standardisierte Akupunktur (XNKQ-Akupunktur) aus China durch und verwendeten eine manuelle Stimulation der Nadeln. Dabei werde üblicherweise ein Behandlungskonzept angewendet, das unterschiedliche Konstellationen von Akupunkturpunkten beeinhaltet, erklärt Witt. Von den Krankenkassen erstattet wird die Akkupunktur bei MS-Patienten mit Fatigue jedoch noch nicht.

„Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung fremdeln noch mit der integrativen Medizin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“Stefan Willich, Kongresspräsident, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité Berlin

Forschung zu integrativer Medizin nur punktuell finanziell unterstützt

„Die Krankenkassen sind prinzpiell offen für ausgewählte integrative Verfahren, die komplemetäre Methoden mit Schulmedizin kombinieren“, ergänzt Stefan Willich, einer der vier Kongresspräsidenten, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité. Die Akupunktur bei chronischen Schmerzen im Lendenbereich und bei Kniegelenksarthrose sind zwei evidenzbasierte Beispiele, bei denen die Krankenkassen nicht nur erstatten dürfen, sondern müssen, sagt Willich. „Hingegen fremdeln die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung noch mit der integrativen Medizin und unterstützen die Forschung in diesem Bereich bisher nur punktuell.“

In den USA wird diese Forschung mit weit mehr öffentlichen Geldern unterstützt, berichtet Avis Haramati, Kongresspräsident vom Georgetown University Medical Center in Washington. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier eine festgelegte Förderung von mehreren 100 MIllionen Dollar pro Jahr. „In Deutschland geben wir nur einen Bruchteil von etwa fünf bis zehn Prozent für diesen Forschungsbereich aus“, schätzt Benno Brinkhaus, ebenfalls Kongresspräsident und Leiter der Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Standort Berlin-Mitte sowie dem Bereich Komplementärmedizin der Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin. © gie/aerzteblatt.de

 

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